Das Projekt “Polarstern”

Ein Forschungsschiff wie die Polarstern kennt man meist nur aus Dokumentationen oder Nachrichtenbeiträgen. Für unsere Kollegen Mazlum, Dominik und Florian wurde das bekannteste deutsche Forschungs- und Versorgungsschiff in Bremerhaven jedoch für drei Tage zum Arbeitsplatz. Im Auftrag der DRF Luftrettung führten sie Kalibrierungen und elektrische Sicherheitsprüfungen an Bord durch. In einem Interview berichten die Kollegen von ihren Erfahrungen zu diesem außergewöhnlichen Arbeitseinsatz.

Interview MK-Kalibrierlabor GmbH zum Projekt "Polarstern"
Bild (v.l.): Das Team vom MK-Kalib­ri­er­la­bor: Mazlum Ökcü, Vera Plutz (Betrieb­slei­t­erin), Flo­ri­an Alban, Arnold Lin­de­mann (stel­lv. Labor­leit­er, Ver­trieb), Dr. Mar­tin Schmitt (Labor­leit­er) und Dominik Schlund (stell. Labor­leit­er) tauscht­en sich zum Pro­jekt “Polarstern” aus.

Wie war euer erster Eindruck, als ihr die Polarstern betreten habt?

Mazlum: „Bish­er kan­nte ich die Polarstern nur durch Video- und Bild­ma­te­r­i­al aus den Nachricht­en oder dem Netz. Man denkt, dass man dadurch eine unge­fähre Größen­vorstel­lung von dem Schiff hat. Die Vorstel­lun­gen wur­den schnell übertrof­fen, als wir beim Erre­ichen des Hafens das Schiff bere­its aus der Ferne sehen kon­nten. Wenn man­dann aber davor ste­ht, kann man nur noch über dieses imposante Schiff staunen. Beim Betreten der Polarstern spürt man gle­ich: das ist etwas Beson­deres! Eine Kom­bi­na­tion aus ein­drucksvoller Tech­nik gepaart mit dem Wis­sen, dass dieses Schiff den Besatzungsmit­gliedern sicher­lich schon einige Aben­teuer beschert hat. Dieses aufre­gende Gefühl liegt regel­recht in der Luft.“

Dominik: „Es war eine Mis­chung aus Vor­freude Aufre­gung und Staunen. Die Größenord­nung war beein­druck­end. Auf und um das Schiff waren viele Gew­erke gle­ichzeit­ig beschäftigt, von denen jed­er eigene Auf­gaben erledigte. Als Kalib­rierort wurde uns der Hub­schrauber­hangar gezeigt, in dem Platz für 2 Hub­schrauber der DRF Luftret­tung ist.“

Flo­ri­an: „Die Polarstern ist natür­lich ein beein­druck­endes Schiff, vor allem wegen ihrer Größe und der vie­len ver­schiede­nen Bere­iche an Bord. Nach­dem wir unseren Arbeit­splatz im Hangar ein­gerichtet hat­ten, war es let­ztlich ein Kalib­ri­ere­in­satz unter etwas anderen Rah­menbe­din­gun­gen als gewohnt.”

Was unterscheidet die Arbeit auf einem Forschungsschiff von euren normalen Einsätzen?

Mazlum: „Die Umge­bung ist eine kom­plett andere, alleine schon, weil man auf dem Schiff auch Wind und Wet­ter aus­ge­set­zt ist. Unser Arbeit­splatz war zwar über­dacht, aber eine offene Halle direkt hin­ter dem Hub­schrauber­lan­de­platz der DRF Luftrettung.“

Dominik: “Es ist fast das Gegen­teil zu „nor­malen“ Laborbe­din­gun­gen. Laut – schmutzig — wuselig. Aber das Ambi­ente auf dem Schiff, direkt im Bre­mer­haven ist etwas ganz Beson­deres und hat für den kurzen Aufen­thalt auch Spaß gemacht.

Flo­ri­an: „Die Platzver­hält­nisse waren enger als bei vie­len anderen Ein­sätzen und im Hangar war ständig Betrieb. Es kamen immer wieder Leute vor­bei oder mussten irgend­wo hin. Dadurch war ins­ge­samt mehr Bewe­gung um uns herum als son­st. Anson­sten war die Arbeit an den Prüfmit­teln aber ähn­lich wie bei anderen Vor-Ort-Kalibrierungen.”

Der fachliche Auftrag

Welche Prüfmittel habt ihr konkret an Bord kalibriert?

Mazlum: „Ich war für die Kalib­rierung der elek­trischen Prüfmit­tel ver­ant­wortlich, darunter dig­i­tale Hand­mul­ti­me­ter und Iso­la­tion­s­mess­geräte. Außer­dem mussten eine Menge Elek­trogeräte wie Ladesta­tio­nen, Kühlschrank, Staub­sauger und Arbeit­sleucht­en, wie auch ver­schiedene Ver­längerungsk­a­bel nach DGUV V3 auf ihre elek­trische Sicher­heit geprüft werden.“

Flo­ri­an: „Ich habe ver­schiedene Manome­ter, Drehmo­mentschlüs­sel und Waa­gen kalib­ri­ert. Die Prüfmit­tel wur­den größ­ten­teils bere­its vor unserem Ein­tr­e­f­fen aus­ge­baut und im Hangar bere­it­gestellt, sodass wir direkt näch­sten Tag mit der Arbeit begin­nen konnten.”

Auf welche messtechnischen Besonderheiten oder Herausforderungen seid ihr gestoßen?

Mazlum: „Tat­säch­lich ver­lief die Kalib­rierung der elek­trischen Prüfmit­tel ohne Schwierigkeit­en ab. Die Prüfmit­tel­beauf­tragten waren sehr gut organ­isiert und hat­ten alles bere­it­gestellt, was bei unseren Ein­sätzen nicht immer der Fall ist. Zudem war das Schiff über eine Land­stromver­sorgung an das örtliche Strom­netz angeschlossen, was die Sache nochmal vere­in­facht hat. Die einzige Sorge waren die Umge­bungs­be­din­gun­gen wie Tem­per­atur und Luft­feuchtigkeit, die die Mess­werte hät­ten bee­in­flussen kön­nen. Diese waren jedoch im zuläs­si­gen Rahmen.“

Dominik: „Haupt­säch­lich der Trans­port und Auf­bau des Messe­quip­ments. Vor allem die schw­eren und sper­ri­gen Nor­male haben uns beim Arbeitsweg auf dem Schiff durch die schmalen Gänge und Trep­pen / Leit­ern sor­gen bere­it­et. Dank der Hil­fe unser­er Ansprech­part­ner der DRF wurde uns eine Git­ter­box bere­it­gestellt, in der das Messe­quip­ment sich­er mit einem Kran auf den Hub­schrauber­lan­de­platz der Polarstern abgestellt wer­den kon­nte. Dadurch, dass unser Arbeits­bere­ich mit Anbindung an den Lan­de­platz und einen Aufzug ein Knoten­punkt des Schiffes ist, mussten wir das Equip­ment teil­weise umstellen, um Platz für Trans­porte mit Sta­pler oder Hub­wä­gen zu machen.“

Flo­ri­an: „„Messtech­nisch gab es keine außergewöhn­lichen Prob­leme. Die größte Her­aus­forderung war eher die Arbeit­sumge­bung mit den begren­zten Platzver­hält­nis­sen und dem laufend­en Betrieb an Bord. Dadurch war eine gute Organ­i­sa­tion wichtig.”

Herausforderungen & Highlights

Welche unerwartete Herausforderung musstet ihr vor Ort spontan lösen?

Mazlum: „Der Trans­port unser­er Geräte aufs Schiff erwies sich zunächst als große Her­aus­forderung. Der Gang­way aufs Schiff war rel­a­tiv schmal und mit mehrern Trit­tleis­ten verse­hen, die zwar ein Abrutschen ver­hin­dern sollen, für uns aber Stolper­fall­en darstell­ten. Unsere großen und schw­eren Geräte zudem über zwei sehr enge Stahltrep­pen mit schmalen Stufen bis zum Arbeit­splatz hochzu­tra­gen, wäre nahezu unmöglich gewe­sen. Das Team hat uns jedoch schnell eine große Git­ter­box und einen Krantrans­port organ­isieren kön­nen. Die Geräte wur­den auf der Hub­schrauber­lan­de­fläche vor dem Arbeit­splatz abgeladen.“

Dominik: „Haupt­säch­lich der Trans­port und Auf­bau des Messe­quip­ments. Vor allem die schw­eren und sper­ri­gen Nor­male haben uns beim Arbeitsweg auf dem Schiff durch die schmalen Gänge und Trep­pen / Leit­ern sor­gen bere­it­et. Dank der Hil­fe unser­er Ansprech­part­ner der DRF wurde uns eine Git­ter­box bere­it­gestellt, in der das Messe­quip­ment sich­er mit einem Kran auf den Hub­schrauber­lan­de­platz der Polarstern abgestellt wer­den kon­nte. Dadurch, dass unser Arbeits­bere­ich mit Anbindung an den Lan­de­platz und einen Aufzug ein Knoten­punkt des Schiffes ist, mussten wir das Equip­ment teil­weise umstellen, um Platz für Trans­porte mit Sta­pler oder Hub­wä­gen zu machen.“

Flo­ri­an: „Größere Über­raschun­gen gab es eigentlich nicht. Die Vor­bere­itung durch die Ver­ant­wortlichen war sehr gut. Dass viele Prüfmit­tel bere­its aus­ge­baut und zen­tral im Hangar bere­it­gestellt waren, hat uns die Arbeit deut­lich erle­ichtert. Das Einzige war, dass wir sehr flex­i­bel mit der Kalib­rierung sein mussten, da wir von anderen Schiff­sar­beit­ern immer mal aus dem weg mussten.“

Wie hat das Wetter oder die isolierte Umgebung eure Arbeit beeinflusst?

Mazlum: „So gut wie gar nicht. Wir hat­ten es für kurze Zeit mit einem Wet­terum­schwung zu tun und mussten auf­grund des Regens unsere Geräte und auch die Prüfmit­tel etwas weit­er in die Halle hinein­tra­gen. Nach unge­fähr ein­er hal­ben Std. hat­ten wir aber wieder klaren Himmel.“

Dominik: „Zum Glück waren die meis­ten Mess­größen im physikalis­chen und elek­trischen Bere­ich. In der Regel reagieren diese Mess­mit­tel auf Tem­per­schwankun­gen nicht ganz so empfind­lich. Die Umge­bungs­be­din­gun­gen wur­den selb­stver­ständlich in den Kalib­ri­er­scheinen dokumentiert.“

Flo­ri­an: „Während unseres Ein­satzes hat­te das Wet­ter keinen wesentlichen Ein­fluss auf die Kalib­rierun­gen. Da wir im Hangar gear­beit­et haben, kon­nten wir unsere Auf­gaben weit­ge­hend unab­hängig von den äußeren Bedin­gun­gen durchführen.”

Teamgeist & Fazit

Was nehmt ihr persönlich von diesem außergewöhnlichen Einsatz mit nach Hause?

Mazlum: „Bere­icherung und vor allem Wach­s­tum. Es war eine gän­zlich neue Erfahrung für mich per­sön­lich. Beispiel­sweise hat­te ich zunächst vor den DGUV V3-Prü­fun­gen Respekt, da ich diese das erste Mal vor-Ort beim Kun­den durchge­führt habe. Inhouse habe ich diese Prü­fun­gen schon oft gemacht, jedoch baut sich inner­lich ein gewiss­er Druck auf, wenn man weiß, dass es sich um ein wichtiges Forschungss­chiff han­delt, welch­es auch nur über eine kurze Zeit am Bre­mer­haven anliegt und dann wieder für ein paar Monate unter­wegs ist. Hier hat man dann auch wenig Spiel­raum nach Misslin­gen der Prü­fun­gen einen erneuten Ter­min für eine zweite Kalib­rierung zu find­en. Da malt man sich vor­ab sämtliche Szenar­ien aus, was alles schieflaufen kön­nte. Dass es dann aber am Ende so rei­bungs­los geklappt hat und wir die Her­aus­forderun­gen erfol­gre­ich gemeis­tert haben, ist ein tolles Gefühl, woran man auch wächst.“

Dominik: „Die Dimen­sio­nen auf dem Schiff und einen kleinen Teil des Arbeit­sall­t­ags einiger Hafen­mi­tar­beit­er zu sehen, fand ich sehr inter­es­sant. Am lieb­sten hätte ich noch andere Räume des Schiffes, wie z.B. die Forschungsla­bore gese­hen. Vielle­icht klappt das 2027, wenn die Polarstern wieder vom Nord­pol zurück­gekehrt ist.“

Flo­ri­an: „Es war inter­es­sant, ein­mal auf einem Forschungss­chiff arbeit­en zu kön­nen und einen Ein­blick in diesen speziellen Arbeits­bere­ich zu bekom­men. Außer­dem bleibt pos­i­tiv in Erin­nerung, wie gut der Ein­satz vor­bere­it­et war und wie unkom­pliziert die Zusam­me­nar­beit vor Ort funk­tion­iert hat.”

Mit welchem einen Satz würdet ihr das „Abenteuer Polarstern“ für eure Kollegen zusammenfassen?

Mazlum: „Das muss man ein­fach mal erlebt haben!“

Dominik: „Rück­blick­end war es ein anstren­gen­des, aber sehr schönes und beein­druck­endes Erleb­nis, das ich sich­er nicht vergessen werde.“

Flo­ri­an: „Ein gut organ­isiert­er Kalib­ri­ere­in­satz in ein­er außergewöhn­lichen Umgebung.”

Kalibrier- und Prüfauftrag auf der "Polarstern" brachte das MK-Kalibrierlabor an einen ungewöhnlichen Arbeitsort.
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